Archive for the ‘Zitat’ Category

Nanne Meyer | Zitat 2

05/09/2013

Zeichnen ist für mich immer ein Prozess zwischen bewusstem Tun, Denken, Sehen, Kontrolle und wiederum auch dem Gegenteil, dem Sich-Entziehen, dem Laufenlassen und der Aufmerksamkeit für Zufall und Fehler, für das, was sich einstellt und was man vielleicht gar nicht wollte. Da ist ein Blatt Papier mit tausend Möglichkeiten, doch sobald man beginnt, ist eine Setzung gemacht. Jeder Strich kann eine Zeichnung in eine völlig andere Dimension kippen lassen. Das ist überraschend, und man muss darauf reagieren. So ist Zeichnen ein Prozess von Wollen und Sich-Überlassen, bewusstem Tun und Zurücktreten, mit einer feinen Aufmerksamkeit für das, was vor sich geht und gerade im Entstehen ist. Dabei lernt man das Potenzial, das in den vermeintlichen Fehlern angelegt ist, allmählich erkennen. Man lernt durch die Hand im Kopf beweglich zu bleiben und umgekehrt. Von Michel Serres stammt der Satz: «Der Sinn verdeckt, was ihm vorausgeht». Ich zeichne nicht etwas Fertigem, einem «Sinn» hinterher, sondern versuche mein Anliegen während des Zeichnens ständig zu überdenken und in Frage zu stellen, um dahinter zu kommen, hinter den Vorhang aus Gekonntem, aus fertigen Antworten, vermeintlichem Wissen, Vor-Urteilen usw.

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Nanne Meyer | Zitat

05/09/2013

Stil ist eine bestimmte Ästhetik, die sich durch die Arbeit selbst in einem jahrelangen Prozess allmählich herauskristallisiert, aber nicht «vorgeschaltet» werden kann. Wer zeichnet, weiss um dieSchwierigkeiten und Gefahren, die das Zeichnen mit sich bringt. JederZeichner, jede Zeichnerin, erarbeitet sich einen anderen Zugang und Ansatz und forscht auf eigene Art mit und in diesem Medium. Die Zeichnung ist ein riesen grosser, ausdifferenzierter Kosmos. Dazu kommt, dass man erst in der Praxis, also durch das Tun herausfindet, was es mit dem Kern auf sich hat, um den man zeichnend kreist. Mir war das nicht von Vornherein klar. Zu Anfang faszinierte mich die Unmittelbarkeit, das Hineinspringen in einen weissen Raum ohne grosse Vorbereitungen, das entsprach meiner Ungeduld und inneren Unruhe. Dazu kam, dass Zeichnen, Denken und Schreiben ähnliche, verwandte Tätigkeiten sind. Nicht zuletzt auch aufgrund der Rhythmik. Und da ist wieder der Bezug zur «Händigkeit». Rhythmus ist etwas Körperliches, wir atmen, wir gehen. Für mich ist das Zeichnen immer auch eine rhythmische Angelegenheit. Das hat auch mit der Musik zu tun.

Li Qingzhao, 1134, Zitat:

04/09/2013

„Warum war diese Sammlung bloß so schwierig zu erlangen und so leicht zu verlieren? Ach, wo es ein Haben gibt, gibt es immer auch Nicht-Haben und wo gesammelt wird, wird stets auch zerstreut. Das ist ein unabänderliches Prinzip.“

Nomadisches Denken

12/05/2013

„Nomaden führen aus ökonomischen, kulturellen oder weltanschaulichen Gründen kein sesshaftes Leben. Sie bewohnen einen Raum bloß vorübergehend und eignen sich diesen nicht an. Die nomadische Lebensform wird heute in der globalisierten Gesellschaft mit ihren Wander- oder Gastarbeitern, Migrantenbewegungen, den flexiblen Lebens- und Arbeitskonzepten als selbstverständliche Anpassungsleistung angesehen. Zugleich werden die letzten nomadischen Hirtenvölker von ihren zyklischen Wanderwegen entlang den Weidegründen durch Kriege und Ausbeutung der Bodenschätze verdrängt.“

Einführungstext für das Seminar Nomadisches Denken | mobile Strategien in den Künsten von Prof. Dr. Nike Bätzner

09/05/2013

„Die Zeichnung ist in der Lage, eine spezifische Form von Intelligenz zu transportieren. Sie trägt ein Wissen einer anderen Art in sich, ähnlich dem Wissen in uns, über das wir selbst nur vermittels des Unbewussten etwas erfahren können. Genau hier setzt die physische Aktivität des Zeichnens an – nicht im Sinne einer écriture automatique, sondern eher in der Art, dass der Prozess des Zeichnens ein unvorhersehbares Wissen hervorbringt, das nicht zufällig ist, aber doch auf eine gewisse Weise unberechenbar – es entsteht erst innerhalb des Prozesses. Auf diese Art ist das Zeichnen – in seiner spezifischen Geschwindigkeit und mit den Möglichkeiten der Veränderung – eher dem Prozess des Denkens verwandt als das Malen.“

William Kentridge

09/05/2013

„Hier versuche ich mir selbst das Leben und seine Ereignisse anzueignen, sie in Besitz zu nehmen; ununterbrochen inspiziere, sammle, ordne, sortiere, reduziere ich alles und jedes und verteile es auf zahlreiche Albumsammlungen.“

Annette Messager

09/05/2013

„Ich glaube nicht, dass wir in einem umfassenden Sinne wissen, wie die Welt aussieht, denn während man etwas betrachtet oder eine Erfahrung macht, wird einem klar, dass man schließlich alles durch das eigene Bewusstsein erlebt.“

David Hockney